Anfrage zur Hebammenausbildung

Sehr geehrter Herr Dr. Niermann,

die Betreuung und Versorgung von schwangeren Frauen, Gebärenden, Wöchnerinnen und deren Neugeborenen stellt eine zentrale gesellschaftliche Dienstleistung im Rahmen des Gesundheitswesens dar.

In der Hebammenschule Minden an der Akademie für Gesundheitsberufe einer Einrichtung der Mühlenkreiskliniken werden aus diesem Grunde seit langer Zeit Hebammen ausgebildet.

Landesweit herrscht Hebammen-Mangel, aber das Interesse junger Frauen an einer Hebammenausbildung ist sehr groß. In Nordrhein-Westfalen gibt es allerdings nur zehn Hebammen-Schulen, davon mit Minden und Paderborn zwei in Ostwestfalen-Lippe.

Jetzt steht eine Reform der Berufsausbildung der Hebammen bevor. Denn Deutschland ist in der Europäischen Union das letzte Land, in dem Hebammen noch nicht an Hochschulen ausgebildet werden. Das soll sich demnächst ändern, es gibt aber noch Fragezeichen. Wird auch in Ostwestfalen-Lippe eine Hebammen-Hochschule eingerichtet? Und welche Rolle spielt die Schule in Minden in einer akademisierten Ausbildung?

Aufgrund einer EU-Richtlinie soll die Hebammen-Ausbildung ab Januar 2020 akademisiert werden. Die theoretische Ausbildung erfolgt dann an einer Hochschule, die praktische Ausbildung in geburtshilflichen Abteilungen.

Obwohl die Zeit drängt, sind viele Fragen in NRW noch offen. Konkret geplant ist bislang lediglich, dass Studiengänge für Hebammen in Köln und Bochum angeboten werden sollen. Expertinnen aus der Region hoffen, dass auch in OWL ein Studiengang eingerichtet wird.

Als Standort im Gespräch sind bisher die Katholische Hochschule in Paderborn, die Fachhochschule Bielefeld und die Medizinische Fakultät, die im Oktober an der Universität Bielefeld gegründet worden ist.

Sollte in OWL kein Studiengang für Hebammen eingerichtet werden, drohen Nachteile für die Region. Dann müsste die Schule in Minden mit einer auswärtigen Hochschule kooperieren. Doch bei einer zu großen Entfernung zwischen den Standorten für die theoretische und praktische Ausbildung droht die Bindung der Auszubildenden an die Region verloren zu gehen. Dann wird sich die Versorgung mit Hebammen vor Ort verschlechtern.

Die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreis Minden-Lübbecke möchte deshalb von Ihnen jetzt wissen, welche Schritte Sie in dieser dringlichen Angelegenheit unternommen haben. Die Fraktion erwartet, dass Sie sich für die Hebammenausbildung im Kreis Minden-Lübbecke einsetzen und sich für die Einrichtung eines Hebammen-Studiengangs am Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld engagieren, da dort bereits ein Pflegestudiengang etabliert ist.

Ein in Minden angesiedelter Studiengang könnte eine ideale Vernetzung zwischen der theoretischen und der praktischen Hebammenausbildung gewährleisten, denn die in unmittel-barer Nachbarschaft angesiedelten Mühlenkreiskliniken, die sehr erfahren in der praktischen Hebammenausbildung sind, verfügen darüber hinaus über optimale Praxisfelder an drei geburtshilflichen Kliniken an drei Standorten. Ein derartiges Angebot unter dem Dach eines Trägers ist ein Alleinstellungsmerkmal, dass in eine Standortentscheidung mit einfließen  sollte.

Eine Einbeziehung des Klinikums Herford in die Hebammenausbildung sollte an dieser Stelle mit angedacht werden, da  das Klinikum Herford und die Mühlenkreisklinken als Universitätsklinken der Ruhr-Universität Bochum bereits erfolgreich in der Ärzteausbildung zusammenarbeiten. Auch eine Mitnutzung des Campusgebäudes am Johannes Wesling Klinikum in Minden sowie der Akademie für Gesundheitsberufe durch die Fachhochschule sei denkbar.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Siegfried Gutsche

Stellvertretender Vorsitzender der
Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Minden-Lübbecke

2019-05-09_Anfrage Hebammenausbildung

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld